Auszug aus einem Satsang von Dr. Harbhajan Singh am Weihnachtsabend in St. Gilgen — 24.12.1992
Liebe Brüder und Schwestern,
Herzliche Grüße und frohe Weihnachten. Ich wünsche euch ein heiliges Leben. Ihr kennt die Bedeutung von Weihnachten, ihr wißt, warum es gefeiert wird. Es gibt zwei Arten, Weihnachten zu feiern, sagt uns Meister: Man kann es äußerlich feiern, aber auch innerlich. Die innere Weihnacht steht in enger Verbindung mit dem physischen Leben von Jesus Christus, und die sind gesegnet, die es mit ihm feiern können. Diese Art von Weihnachten ist direkt mit ihrem Leben, mit dem inneren Leben verbunden. Wer kann es auf diese Weise feiern? Die, die empfänglich sind. Nicht alle, sondern die, die empfänglich wurden, konnten Weihnachten mit Christus (im Inneren) feiern, und auch wir können es, wenn wir empfänglich werden.
Denn Christus sagte:
“Ich werde euch nicht verlassen noch versäumen
bis ans Ende der Welt.”
— Hebräer 13:5
Diese Kraft verläßt die Welt und die Menschheit niemals. Diese Kraft bleibt immer bei uns. Sie kommt in vielen unterschiedlichen Formen, in den verschiedenen Religionen, aber ihre Aufgabe ist immer dieselbe. Wenn wir uns an Ihn erinnern, ist Er da. Einmal kam Er als Guru Nanak, einmal als Christus, ein anderes Mal in der Form eines anderen Meisters, und einmal kam Er als Kirpal. Unsere Aufgabe liegt also vor uns, und wenn wir empfänglich werden, können wir Weihnachten im Inneren feiern.
Es gibt also eine innere Art zu feiern und eine äußere, aber auch das äußere Weihnachten besteht aufgrund des inneren. Es besteht eine ganz enge Verbindung zwischen beiden, zwischen dem inneren und dem äußeren. Das äußere Weihnachten gibt es durch das innere Weihnachten. Beides ist eng miteinander verbunden. Daher sagte Meister immer: “Feiert Weihnachten!” Er lehnte das äußere Feiern nicht ab. Er sagte:
“Wenn wir feiern erinnern wir uns an den Zweck unseres menschlichen Lebens.
Wir erinnern uns daran, wie wir empfänglich werden können,
vorausgesetzt, wir feiern mit dem Einen, der kompetent ist,
mit dem Einen, der empfänglich ist.”
Den Geburtstag mit der Meisterkraft zu feiern oder in liebevoller Erinnerung an diese Kraft, das kommt uns sehr zugute. Der Meister sagt, dass die Feierlichkeiten zu Ehren dieser Meister nicht nur in der physischen Welt, sondern auch auf einer höheren Ebene stattfinden.
Christus sagte:
“Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.”
— Matthäus 5:48
Das ist sehr wichtig, denn das hängt mit seinem Leben zusammen. Solange wir nicht so leben, und wirklich ein Leben der Vollkommenheit führen, können wir nicht zurückgehen. Wir müssen vollkommen werden — aber wie können wir das, wenn es niemanden in der Welt gibt, der vollkommen ist? Nur mit dem vollkommenen Einen können auch wir diese Vollkommenheit erlangen, sonst nicht. Die Lehre kennen wir, doch der, der vollkommen ist, offenbart uns diese Wahrheit.
Es steht schon in der Bibel:
“Der Sohn kennt den Vater und der, dem es der Sohn offenbart.”
— Matthäus 11:27
Denn wir sind Gottes Kinder. Wenn wir empfänglich sind, können wir einen großen Wandel in die Welt bringen. Guru Nanak betonte, daß eine Zeit kommt, wenn all dies (die Wahrheit zu offenbaren) in den Händen bewußter Menschen liegt. Auch andere kompetente Meister offenbarten diese Wahrheit. Ich möchte damit sagen, daß es also an der Zeit ist, entsprechend der Lehre der Meisterkraft, Christuskraft oder Gotteskraft zu leben. Und diese Kraft ist immer mit uns — wir müssen nur für diese Kraft empfänglich werden, empfänglich für unsere eigene Aufgabe. Diese Kraft ist in uns eingeboren, und sobald wir empfänglich sind, zeigt diese Kraft uns die Verbindung, die zwischen Ihm und uns besteht, und man kann all das erfahren. Wer empfänglich ist (für die Gotteskraft), fühlt sich sofort mit jedem verbunden, und dann ist es so, als ob man sich schon immer kennen würde.
Das bedeutet also, Weihnachten zu feiern. Wir haben dieses Fest oft mit unserem Meister gefeiert, es war wunderschön, und wir konnten dadurch Inspiration erhalten. Denn unsere Seele muss inspiriert werden. Diese Inspiration erhalten wir, wenn wir nur für diese eine Sache zusammen sitzen. Die Aufmerksamkeit von uns allen ist darauf ausgerichtet, und so kommt diese Kraft, um uns zu helfen.
Im Gurbani steht geschrieben:
“Wenn wir (so) zusammen sitzen, vergessen wir die Dualität.”
Uns allen wird dann klar, daß wir uns dieser Kraft hingeben müssen. Wenn nicht jetzt — eines Tages müssen wir uns dieser Kraft hingeben, denn darin liegt unsere eigentliche Aufgabe. Wir begreifen dann, daß wir uns Ihm hingeben müssen, das geschieht, wenn wir alle zusammen sind. In dieser Atmosphäre beginnt jeder, seine Unzulänglichkeiten und Rückschläge zu fühlen. Jeder verlangt dann von Herzen her nach Ihm und wünscht sich, daß auch er mit dieser Kraft in Verbindung kommt. In solchen Augenblicken inspiriert Meister die Seele. Er sieht: “Meine Kinder sind zusammengekommen.” Er gibt unserem Leben einen Auftrieb. Er inspiriert unsere Seele. Das ist die wahre Nahrung, und wir erhalten sie, wenn wir uns gemeinsam an Ihn erinnern.
„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind,
dort bin ich mitten unter ihnen.“
— Matthäus 18:20
Das sagten alle Meister. Wir sollten (Weihnacht) so feiern, daß wir zumindest eine Zeit lang die Welt und unsere häuslichen Angelegenheiten vergessen, um gemeinsam in der liebevoller Erinnerung an Ihn zu sitzen. Das ist nur möglich, wenn der Satsang und die, die sich versammelt haben, von dieser Kraft inspiriert sind. Diese Kraft inspiriert jeden von uns, und durch diese Inspiration können wir Weihnachten auch im Inneren feiern.

