Auszug aus einem Vortrag von Dr. Harbhajan Singh vom 7. August 1988, in St. Gilgen
Gedruckt in “Worte von Sant Kirpal Singh — 2013”
Liebe Brüder und Schwestern,
Lasst uns heute eine Entscheidung treffen für die edle, höhere Aufgabe, die das Erbe jedes einzelnen ist. Der Mensch kommt mit einer positiven Gesinnung in die Welt.
Er hat Zufriedenheit, Liebe und Mitgefühl,
Erwachen und Unterscheidungsvermögen in sich,
und er besitzt den Intellekt,
der mit all diesen Möglichkeiten direkt verbunden ist.
Ebenso hat der Intellekt eine Verbindung zur Seele, zu unserem Selbst.
Nützen wir diese Möglichkeiten, können wir zu einem tatkräftigen Menschen werden.
Kabir sagt, dass nur die tatkräftigen Menschen den weltlichen Ozean (Bhav Sagar — der schreckliche Ozean der drei Welten) überqueren können. Diese Menschen nützen ihre gottgegebenen Talente aufs Beste.
Ihr wisst, überall in der Welt wird man verleitet. Bekanntlich werden wir mehr von Dingen angezogen, die uns ablenken, und dass wir so verleitet werden, liegt an unseren Verhaftungen. Das ist also ein weltlicher Weg, in den wir hingezogen werden. Aber es ist nicht der wahre Weg.
Die Wahrheit ist wie Zucker im Sand verstreut,
ein Elefant kann ihn nicht fassen,
nur eine Ameise kann ihn fressen.
Menschlichkeit und Demut sind notwendig.
Ich habe euch erklärt, dass Zufriedenheit, Erwachen, Unterscheidungsvermögen, all diese Eigenschaften im Menschen, in diesem heiligen Körper zu finden sind. Doch all diese Talente und Tugenden wirken nur in Verbindung mit unserer Aufmerksamkeit. Ihr mögt überall hingehen, egal wo ihr in der Welt auch sein mögt, ihr könnt mit gottlosen Menschen und Sündern zusammen sein, es wird keine Auswirkung auf euch haben, wenn eure Aufmerksamkeit in Übereinstimmung (mit diesen Tugenden) wirkt.
Wie ihr wisst, lassen die Jungen Drachen steigen und während dessen reden sie miteinander, sie lachen, aber ihre Aufmerksamkeit ist bei der Schnur (an der der Drache hängt). Die Mädchen (in Indien) holen Wasser vom Brunnen, sie machen Späße und scherzen miteinander, aber ihre Aufmerksamkeit ist auf das Gefäß gerichtet. Ob die Mutter gerade etwas zu Hause zu tun hat oder nicht, ihre Aufmerksamkeit ist immer bei ihrem Kind.
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Tatkräftige Menschen kümmern sich nicht darum, ob die anderen ihnen schmeicheln, ob sie sie gut oder schlecht nennen, denn sie wissen, dass sie nur für die Höhere Sache in die Welt gekommen sind, für das Werk ihres Vaters. Haben sie einmal ihr Leben entschieden, kann kein Wind, kein Sturm der Welt sie erschüttern. Gott möchte solche Menschen. Er schaut von oben, wer weitherzig und voller Demut ist, wer Zufriedenheit hat, alle Menschen liebt und seine Wünsche opfert.
Was gibt uns so jemand?
Seine Absicht ist es überall Rechtes Verstehen zu vermitteln. Solche Menschen gibt es allerdings nur sehr selten in der Welt. Aber die Meister sagen uns in den Heiligen Schriften, dass ein solcher Mensch die ganze Welt bewegen kann. Einer allein kann die ganze Welt lehren.
Ihr kennt die Lehre von Christus. Wie viele Menschen auf der ganzen Welt glauben heute an Christus! Wie viele glauben an die Lehre von Kabir, Guru Nanak und Guru Gobind Singh! Ich sage euch, wenn wir in der Welt leben und das Recht einer menschlichen Geburt erhalten haben, so haben wir das Ihnen zu verdanken, Ihrer Gnade. Entweder waren wir früher mit solchen heiligen Persönlichkeiten in Verbindung, oder wir hatten den Wunsch, Ihnen zu begegnen, Ihnen nachzufolgen, und danach sandte uns diese Kraft mit einem Versprechen in die Welt.
Wir müssen also ein tatkräftiger Mensch werden.
Tatsächlich ist es unsere Aufgabe, unsere verborgenen Talente zu nützen,
unsere Tugenden zu vervielfachen und dann andere zu entwickeln
und schließlich zu hundert Prozent für andere zu leben.
Ich sage euch, wir sind nicht fähig, die Last unserer Verhaftungen zu tragen, und wir gebrauchen das, was uns gegeben wurde nicht richtig. Die Rückwirkungen aus diesen Verhaftungen gehen mit uns, und das ist eine schwere Last, schwerer als das Gewicht der ganzen Erde lastet es auf der Seele. Die Seele wird vollkommen verdunkelt, sage ich euch.
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Amir Khusro war ein Schüler von Nizamuddin Auliya, einem Sufi Heiligen. Durch seine innere Liebe zu seinem Meister wurden seine Gedanken von Tag zu Tag immer mächtiger. Und obwohl er diese machtvollen Gedanken in sich hatte, bemerkte er, dass sie manchmal sehr schwankend wurden. Darüber dachte er nach und überlegte, woran es liegen könnte, was das Problem sein könnte. Er überlegte und überlegte und überlegte, und schließlich konnte er seinen Fehler erkennen. Er sagte sich, es ist nicht der Fehler der Gotteskraft oder des Meisters, es ist immer der Fehler des Schülers. Er konnte seinen Fehler erkennen, er begann seine Fehler zu korrigieren und kam schließlich zu einem Entschluss.
Er dachte, dass es besser ist, frei von der Welt zu bleiben, und das hatte er von seinem Meister gelernt. Es ist schwierig, ungebunden zu bleiben in dieser Welt der Bindungen. Aber das ist das einzige Thema, weswegen wir in die Welt kamen — auf der einen Seite ist das Negative, auf der anderen das Positive. Er nahm all seinen Besitz, lud ihn auf Kamele und begab sich ganz direkt zu seinem Meister.
Ein Mann, der sehr arm war und kein Geld besaß, verlobte seine Tochter. Er musste die Hochzeit ausrichten, aber er besaß nichts. So ging er zu seinem Meister — Nizamuddin Auliya, um ihn um Geld zu bitten.
Ihr wisst, der Besitz, der Reichtum des Meisters sind Seine Schüler. Guru Arjan Dev Sahib sagt:
“Der Sangat, die Schüler sind das Erbe.”
Nizamuddin Auliya sagte zu dem Mann: “Gut, bleib ein paar Tage hier, wenn Geld kommt, werde ich es dir geben.” Einige Tage vergingen, aber niemand kam (und spendete etwas). So gab er ihm sein altes Paar Schuhe und sagte: “Verkaufe es, und mit dem Erlös kannst du dann die Hochzeit deiner Tochter ausrichten.” Zuerst dachte sich der Mann: “Dieses Paar alte Schuhe wird entweder niemand kaufen wollen oder man bekommt nur so wenig dafür, dass meiner Sache damit nicht gedient ist.” Aber er vertraute auf seinen Meister. Er sagte sich: “Sei es wie es sei, es muss etwas dahinter sein”, und gehorchte seinem Meister und ging.
In der Zwischenzeit kam Amir Khosro, der Schüler von Nizamuddin. Sofort, als er sich entschieden hatte, von den Bindungen frei zu werden, begann er, die Schwingung und Ausstrahlung wahrzunehmen und von innen her die ganze Herrlichkeit des Meisters und seine Verbindung zu Ihm zu erkennen, und dadurch fühlte er sich immer leichter und unbeschwerter. Die ganze Reise über war er überglücklich. Er war völlig in das Denken an Seinen Meister vertieft und vergaß die Welt. Ich sage euch,
Die Welt gibt es nur wegen der Bindungen!
Wenn ihr nicht mehr gebunden seid,
was hat die Welt dann noch mit euch zu tun?
Amir Khosro sah also diesen Schüler kommen und dachte sich: “Dieser Duft, dieser feine, mit Schwingung erfüllte Duft kommt von dort, er wird vielleicht irgendein Parfum haben.” Er ging hin und fragte ihn, aber der Schüler sagte, dass er nichts dergleichen habe. Er fragte: “Aber was ist das?” Der Schüler erwiderte: “Ein Paar Schuhe von meinem Meister.” — “Wer ist dein Meister?“ — “Nizamuddin Auliya.”
Amir Khosro umarmte ihn und sagte: “Du kannst dich sehr glücklich schätzen, dass du dieses Paar Schuhe vom Meister erhalten hast. Wie ist es dir gelungen, diese Schuhe zu bekommen?” Der andere erzählte ihm die ganze Geschichte, und Amir Khosro sagte: “So viel, wie diese Schuhe wert sind, kann ich dir nicht bezahlen, ich kann dir nur ein kleines Geschenk dafür geben”, und er gab ihm alles, was er hatte. Er sagte, “Gut, richte die Hochzeit deiner Tochter aus, verwende es als Hilfe für all deine Verpflichtungen, hilf allen anderen damit, mach, was immer du willst, ich denke es wird genug sein. Aber ich bitte dich nur um dieses Paar Schuhe. Gib sie mir.” Er übergab sie ihm, und Amir Khosro ging und trug dieses Paar Schuhe auf seinem Kopf.
Als Amir Khusro sich dem Eingangstor zum Ashram näherte, kam sein Meister selbst heraus und umarmte Amir Khusro und schenkte ihm sehr viel Liebe. Er fragte ihn: “Wie viel hat dich dieses Paar Schuhe gekostet?” Er antwortete: “Nichts, ich bin überglücklich sie zu haben. Denn wegen dieser Bindungen musste ich leiden und in die Welt zurückkommen, um diese Verhaftungen wiederzuerlangen.” Denn wir müssen dorthin gehen, wo unsere Aufmerksamkeit ist. Er sagte: “Durch die Gnade meines Meisters konnte ich all das für die höhere Sache einsetzen, die ewig ist. Es kommt mir doppelt zugute, hier und danach.”
Nizamuddin Auliya ging es darum zu sehen: “Gibt es einen Schüler, der mir meine Schuhe zurück bringt (und wirklich Hingabe hat)?” Das war es, was er beabsichtigte, und er hatte einen solchen Schüler. Das woran wir gebunden sind, ist vergänglich, aber eine solche Liebe und diese Begebenheit sind etwas, an was man sich in dieser Welt immer erinnern wird. Mit Hilfe seines Meisters, konnte er erkennen, was diese lebendige Verbindung bedeutet. Er war also ein tatkräftiger Mensch, er hat es einfach gemacht.
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Meister sagt nicht, dass ihr es auch so machen müsst, aber ihr solltet lernen, euch über diese (materiellen) Dinge zu erheben. Die Verhaftungen sind es, die uns krank machen. Wir müssen lernen, uns darüber zu erheben. Ich habe euch bereits erklärt, dass es eine Sache der Aufmerksamkeit ist.
Momentan beschäftigt sich eure Aufmerksamkeit mit euren Verhaftungen, ihr müsst sie einfach auf die Höhere Sache, auf die Wahre Aufgabe umlenken. Dass wir an all die Dinge schrecklich gebunden sind und kläglich mit dieser Welt und sogar noch mit der nächsten Welt identifiziert sind, liegt daran, dass uns das Rechte Verstehen fehlt.
Wie weit und wie lange wollen wir wirklich mit all dem weitermachen?
In der Welt wird es diese Dinge immer geben, sie haben viel länger Bestand als wir leben. Wir aber sind nur für kurze Zeit hier, denn wir sind für eine ganz spezielle Aufgabe in die Welt gekommen, ihre Aufgabe aber ist es, uns in der Welt zu halten. Das ist alles eine große Illusion. Damit möchte ich sagen, jeder von uns muss lernen, wie man in der Welt (auf richtige Weise) lebt, und es kommt nur darauf an, ob wir lernen mit Aufmerksamkeit zu leben.
Diese Welt ist nicht der Ort, an dem wir für ewig leben werden. Unsere Wahre Heimat ist weit weg, jenseits aller Barrieren. Dort gibt es immerwährendes Leben und keinen Tod. Dort ist ewiges Glück.
Kabir beschreibt die Schönheit unserer Heimat so:
“Dort fließt die Gnade des Meisters über,
es gibt eine überfülle an Licht,
das ohne Sonne und ohne Mond erstrahlt,
dort regnet es einen Regen voller Glückseligkeit,
ohne dass es Wolken gibt.”
Und vieles mehr sagt Er darüber. Was sagte Er noch?
“Wer auch nur einen flüchtigen Blick auf diesen Ort werfen konnte,
der wollte nie mehr in die Welt zurückkommen,
er wollte keinen Augenblick mehr in der Welt bleiben.”
Wir haben all das vergessen, das liegt daran, dass wir uns selbst so sehr an die Welt gebunden haben, sage ich euch. Es war nie der Wunsch des Vaters (Gottes), Sein Kind in dieser Welt zu lassen. Und der Vater sorgt sich um das Kind.
Die Liebe zwischen Vater und Kind kann nicht zerbrechen, und so sieht der Vater das Unglück und die Schicksalsschläge, die uns treffen. Er kennt all die negativen Umstände und viele Male, nein immer, kommt Er, um Sein Kind zu entwickeln. Viele Male opferte Er Sein Leben, um das Kind zu retten. Das Kind aber versteht nicht, immer ist es töricht und verrückt. Aber es kommt die Zeit, wo man gezwungen ist, wegen seiner Schwächen zu weinen.
Wenn die letzte Stunde schlägt, erhebt sich für einen Augenblick das Erwachen und in einem Moment versteht der Mensch den wahren Zweck seines menschlichen Lebens. Und dann beginnt man zu weinen, doch dann kann man nichts mehr machen, und man geht weinend. Auf der einen Seite weiß man dann, was der Zweck des Lebens ist, den man sein ganzes Leben lang nicht hat erkennen können, und auf der anderen Seite sind die harten Tatsachen, mit denen uns die negative Kraft konfrontiert. Die negative Kraft verschont niemanden, sie liebt niemanden, ihre alleinige Absicht ist es, jeden zu kontrollieren und ihn zu einem Sklaven seiner Wünsche, seiner Verhaftungen zu machen.
Die negative Kraft schuf einem Wunsch an die Gotteskraft,
sie wollte ein eigenes Königreich von der Gotteskraft —
so ist die negative Kraft.
Wir leben also im negativen Machtbereich,
einem getrennten Königreich der negativen Kraft.
Wir sind alle im Exil und ganz von Ihm abgeschnitten. Aber die Meisterkraft kommt, um uns die Verbindung zu geben, sie leidet und tut immer ihr Bestes, um uns zurück zu bringen. Haben wir aber einmal die goldene Gelegenheit verloren, können wir uns nicht mehr auf unseren Beinen halten, und wir werden es dann bereuen.
Wiedergeboren zu werden (im Geiste) und das Mysterium des Todes zu lösen, ist diese goldene Gelegenheit. Das können wir erlangen. Aber jemanden zu finden, der uns diese innere Verbindung geben kann, ist nicht so einfach. Solche Persönlichkeiten sind sehr selten, vielleicht gibt es einen in der ganzen Welt. Ihr wisst, es gibt nur eine Gotteskraft, und es gibt nur einen, der euch diese innere Verbindung geben kann.
Manchmal sind zwei in der Welt, aber nur äußerst selten. Sie haben dann zwar unterschiedliche Körper, doch es wirkt die gleiche Kraft. Sie kennen einander, auch wenn sie weit voneinander entfernt leben. Sie kennen ihre Arbeit und stehen ganz eng miteinander in Verbindung.
Ich spreche über die Christuskraft, Gotteskraft, Meisterkraft, und nicht über die, die auf andere Art in der Welt arbeiten (die falschen Meister), von ihnen kann es Hunderttausende geben. Über sie spreche ich nicht. Meine Absicht ist es, über die höheren Werte des Lebens zu sprechen.
Ihr müsst lernen, was die höheren Werte des Lebens sind!
Ihr müsst wissen, was ihr wollt!
Weltlich gesehen sind wir sehr weise. Wenn ihr etwas wollt, werdet ihr darauf bestehen, genau das zu bekommen und werdet nichts anderes akzeptieren, ihr werdet euch nicht mit weniger begnügen.
Warum aber akzeptieren wir die niedrigen Werte des Lebens?
Das liegt allein an unserer Unwissenheit, es liegt nur daran, dass uns das Verstehen fehlt, denn wir wenden unser rechtes Verstehen nicht an. Bisher haben wir unser rechtes Verstehen, das uns eingeboren ist und mit dem jeder beschenkt wurde, nicht genützt. Wer es nützt, ist ein tatkräftiger Mensch. Wer es nicht nützt, ist ein überheblicher und hochmütiger Mensch, er verliert sein Leben, sage ich euch.
Meister sagt:
“Glaube selbst den Worten des Meisters nicht,
solange du es nicht mit eigenen Augen gesehen hast,
denn das, was man liest, was geschrieben steht,
emotionales Gerede, intellektuelle Überlegungen,
all das kann dem Irrtum unterliegen.
Nur Sehen steht über allem.”
Was ist euer Erbe?
Ihr müsst (die Tür) zu eurem Erbe aufschließen und es euch anschauen.
Christus sagte:
“Klopft an die Tür, und es wird euch aufgetan.”
— Matthäus 7:7
Dieses Tor ist hier (am dritten Auge), aber ihr müsst lernen, wie man aus dem Körper herauskommt und an das Tor klopft.
Ihr müsst wiedergeboren werden im Geiste, durch den Geist. Der Mensch ist eine verkörperte Seele, aber er hat es vergessen. Er hat seinen Wert vergessen. Obwohl wir all das wissen, sagen wir: “Ja, das ist richtig, aber wir können so nicht leben.”
Warum können wir es nicht?
Es ist unsere Schwäche, ein negativer Einfluss, und der ist im Menschen so stark, dass er uns gefangen hält.
Meister sagt,
“Lernt in der Welt zu leben.”
Meister hilft uns immer und auf jede Art. Er gibt euch praktische Hinweise, und damit könnt ihr jedes Problem lösen. Er macht euch sogar fähig, all das mit eurem rechten Verstehen zu erlangen, ihr seid von niemandem abhängig, nur vom Meister, von der Christuskraft, der Gotteskraft, die im Innern ist. Und Er ist uns ganz nah, selbst unsere Kleider, unser Körper sind verglichen damit weit weg von uns.
Er (Gott) ist das Leben unseres Lebens.
Er ist unser wahrer Freund. Nur durch Ihn, durch die Verbindung mit Ihm, sind wir am Leben. Wir aber missachten all das und genießen unsere Verhaftungen. Ihr könnt also sehen, wo der Fehler Liegt, überall verliert ihr, wohin ihr auch geht. Ihr seid eigentlich hier, um einen höheres Ziel zu erreichen, aber überall werdet ihr zum Verlierer. Das ist es, was sich überall in der Welt abspielt, sage ich euch.
Wir müssen die Kunst des Lebens lernen.
Sant Kirpal Singh sagte nie, tut dies oder das, führt dieses oder jenes äußere Ritual aus. Er gab immer die höhere Lehre, die Christuslehre, die Lehre der Meister, Gottes Lehre, und sie ist einzigartig. Es gibt nur einen Weg (die Erfahrungen auf dem Weg zu Gott sind für alle gleich).
Ihr könnt euch in vielerlei Methoden vertiefen, in jedem Buch stehen andere Erfahrungen beschrieben, die die Leute hatten (die diese Methoden praktizierten). Liest man diese Bücher, sieht man, dass die Erfahrungen unterschiedlich sind, denn (mit diesen Meditationsmethoden) geht man nach unten und in die Welt. Die einen gingen hierhin, die anderen dorthin (und haben jeweils verschiedene Erfahrungen beschrieben), und auf diese Weise haben sie die Menschen in die Irre geführt. Der eine sagt z.B.: “Das ist unser Meister, er ist sehr gut, er ist höher als alle anderen.” Andere sagen: “Mein Meister hat mir diesen Weg gezeigt, von dem bin ich begeistert.”
Das ist alles Unsinn, sage ich euch.
Der Weg der Meister ist immer Einer,
Sie kamen alle von ein und derselben Quelle,
und auch wir sind von derselben Quelle gekommen
und müssen wieder in unsere (wahre) Heimat zurückkehren.
Es ist jetzt an der Zeit zu durchschauen, was sich in der Welt abspielt, und klar zu unterscheiden, was unsere Aufgabe ist. Ich sage euch, nur durch diese Verbindung (mit der Gotteskraft) sind wir am Leben, das dürfen wir nicht vergessen.
Wenn unsere Aufmerksamkeit in dieser Richtung zu wirken beginnt, wenn auch vielleicht nur ein wenig — dann ist es so wie bei der kleinen schwarzen Bohne (die eine kleine weiße Stelle hat). Diese Verbindungsstelle ist weiß, diese Verbindung entstand durch die Blüte, und die Blüte wiederum war mit dem Zweig verbunden und der Zweig mit dem Strauch.
So sagt Meister,
Ihr müsst Aufmerksamkeit haben, selbst wenn es nur wenig ist,
aber ihr solltet die ganze Zeit aufmerksam sein.
Wenn eure Aufmerksamkeit in diese Richtung geht, hilft euch die Meisterkraft von innen, den richtigen Weg zu gehen. Vergessen wir es, verlieren wir. Wisst ihr, die negative Kraft überschattet alles mit einem tiefen, dunklen Schatten, aber wenn der Meister
kommt, kommt Er mit Licht, und alle Schatten verschwinden.
Wir sind als Menschen geboren und müssen Mensch bleiben. Ein wahrer Christ zu sein bedeutet, ein Mensch zu bleiben. Ein wahrer Sikh, Moslem, Hindu oder Buddhist zu sein bedeutet, die Kunst des Lebens zu lernen und ein wahrer Mensch zu sein. Als Mensch müssen wir (in unsere wahre Heimat) zurückgehen, das ist unsere Aufgabe.
Wir müssen unseren Meistern nachfolgen, aber nicht nur nachfolgen,
sondern verstehen und die gleichen Erfahrung erlangen, die Sie hatten.
Ihre Erfahrungen, die in den Heiligen Schriften aufgezeichnet sind,
müssen auch unsere Erfahrungen werden.
Es gab einen sehr bekannten indischen Dichter, namens Iqbal. Er traf den Sohn von Soami Ram Tirath, der in der Kohlenmine
arbeitete. Iqbal sagte zu ihm:
“Dein Vater gab sein Leben um tief im Himmel zu graben,
und du gräbst in der Kohlenmine.”
Erkennt ihr den Unterschied?
Ein weiser Mensch kennt den Unterschied. Im Satsang geht es nur um das eigentliche Thema. Der Satsang ist ein Ort, wo diese Kraft (Gott), in deren Namen gesprochen wird, anwesend ist. Er schaut auf jedes Kind. Er sieht, wer bereit ist, wer geeignet ist, wer versucht, Ihn zu erkennen, dann wird Er Gnade geben.
Die Schwingung, die wir im Satsang erhalten, ist nicht nur für den Augenblick, es ist etwas, das uns Leben gibt, sage ich euch. Wenn man regelmäßig in den Satsang kommt, kann man Gottverwirklichung erlangen. Aber wenn ihr zum Satsang kommt, kommt auf die richtige Art. Ihr braucht euch nicht dazu zu zwingen.
Habt ihr einmal die Schwingung erhalten, lasst eure Aufmerksamkeit wirken.
Ihr solltet sehr achtsam sein, dann wird Meister euch zu sich ziehen.
Schließlich braucht Er Seine Kinder.
Wie ihr wisst, die Lehre von Sant Kirpal Singh die gleiche Lehre wie die von Christus, Kabir oder aller anderer Meister. Was Sie auch lehrten, hat Er hat diese Lehre wiederbelebt. Ihr werdet keinen Unterschied finden.
Sie gaben das Brot des Lebens und Wasser des Lebens. Und auch Er gab das Brot und Wasser des Lebens. Wenn ihr es zu euch nehmt, werdet ihr ganz von selbst von der Welt losgelöst. Die Auswirkungen der Verhaftungen werden euch nicht betreffen. Dann seid ihr frei davon. Wenn ihr einmal wiedergeboren wurdet (im Geiste), seid ihr ein neuer Mensch. Er öffnet euer drittes Auge. So wie es in der Bibel heißt:
“Wenn dein Auge eins ist,
wird dein ganzer Körper voller Licht sein.”
— Matthäus 6:22
Dann seid ihr wiedergeboren. Wenn ihr diese Wiedergeburt erlangt habt, nehmt ihr das Brot und Wasser des Lebens zu euch, ihr
seid von der Welt gelöst und eure (innere) Verbindung (zur Gotteskraft) wurde hergestellt. Wurde sie einmal hergestellt, dann liegt es an euch, sie immer stärker werden zu lassen.
So wie bei einem Setzling, einer kleinen Pflanze, um die man sich sehr sorgfältig kümmern muss, denn jede Ziege oder jedes Schaf kann sie auffressen. Wenn ihr aber gut für sie sorgt, wird sie zu einem starken Baum heranwachsen. Ihr könnt sogar einen Elefanten daran binden, und er wird ihn nicht ausreißen.
Wenn ihr einmal wiedergeboren wurdet, habt ihr Hilfe, ihr erhaltet euer ganzes Leben lang Führung. Hat Meister einmal diese Verbindung hergestellt, wird Er euch nie mehr verlassen. Ihr mögt Ihn verlassen, aber Er wird euch nicht verlassen, denn Seine Hand ist sehr stark. Es ist dieselbe Hand wie die von Christus, sage ich euch.
“Ich werde euch nicht verlassen noch
versäumen bis zum Ende der Welt.”
— Hebräer 13:5
Er wird euch nicht verlassen, denn Seine Hand hat die größte Kraft.
“Wo die Philosophie der Welt endet,
beginnt die (wahre) Religion.”
— Sant Kirpal Singh
Wo wird Er (Gott) eure Hand ergreifen?
Jenseits der Philosophie der Welt. Dort seid ihr mit der Seele, mit dem Geist an diese Kraft gebunden. Er weiß auch, wie Er euch von den Bindungen lösen kann, Er weiß, wie Er all das bewirken kann. Er wirkt auf wunderbare Weise für Sein Kind.
Unsere Aufgabe ist es, auf die Lehre zu vertrauen, entsprechend den höheren Werten des Lebens zu leben und alles andere aufzugeben. Es gibt heute so viele, die auf uns einwirken, sie lehren, das ist ein guter Weg, jenes ist ein guter Weg. Wie viele gute Wege gibt es?
Es gibt nur einen guten Weg, dem ihr folgen müsst.
Es gibt viele Wege, mit denen wir uns zugrunde richten können, tausende Wege, um in die Welt zu gehen, aber es gibt nur einen Weg, um zurück zu gehen. Diesen Weg müssen wir gehen, dessen sollten wir uns bewusst sein.
Wenn die Meister in die Welt kommen, sagen sie immer eines:
“Jetzt ist die goldene Gelegenheit für jeden von euch.”
Was für ein schöner Gedanke — eine goldene Gelegenheit für jeden von euch, denn Er kommt und verfügt über alle Macht. Es gibt Bedarf und Versorgung, das ist ein ewiges Gesetz, niemand kann Ihn davon abhalten, etwas zu geben, denn . . .
Spiritualität wird nicht gelehrt, sondern aufgenommen.
Wenn tausend Menschen dasitzen, kann Er all das durch die Aufmerksamkeit geben. Seine Absicht ist es, diese Dinge über die Aufmerksamkeit zu übermitteln, Er gibt es durch die Aufmerksamkeit. Er weiß, wie er das (innere) Auge entwickeln kann, das Auge, das die Größe Gottes sehen kann. Wenn Er sieht, dass sein Kind bereit ist, bereit sich selbst und seinen Vater zu erkennen, gibt Er ihm dieses Auge. Auch das bewirkt Er mit Seiner Aufmerksamkeit.
Wir können die ganze Welt täuschen, aber nicht die Kraft, die im Innern ist. Die Meisterkraft, die Gotteskraft können wir nicht betrügen. Wir müssen uns bewusst sein, dass wir mit dem in Verbindung sind, der alles erhält, und genau von dieser Kraft sind wir abhängig. Wir sind nicht von anderen Kräften abhängig. Die Meister sagen nie, dass ihr ihnen physisch nachlaufen sollt, sie sagen, dass ihr ihnen spirituell nachfolgen sollt, ihr müsst ihnen mit der Aufmerksamkeit nachfolgen.
Wisst ihr,
Ihr werdet dorthin gehen, wo eure Aufmerksamkeit ist.
Wenn ihr liebt, werdet ihr auch euren Kopf verlieren.
Wenn ihr euer Herz gebt, verliert ihr euren Kopf, und dann seid ihr ein Wanderer, der völlig losgelöst ist, ihr habt nichts mehr mit der Welt. Ich sage euch, ihr werdet etwas Einzigartiges erhalten, während ihr der Welt lebt.
Während wir mit diesem menschlichen Körper leben, haben wir wirklich eine goldene Gelegenheit, wenn wir sie verlieren, sind wir verloren. Den Körper werden wir verlieren, wir müssen ihn ablegen, aber wenn wir auch unsere Seele, unser inneres Selbst, verlieren, ist es ein Unglück.
Wo steht das?
Überall steht geschrieben:
“Lernt euch loszulösen, lernt das Bewusstsein von der Materie zu lösen.”
Materie und Bewusstsein sind zweierlei, aber durch die Gnade des Meisters bestehen sie zusammen, wenn aber das Bewusstsein zurückgezogen wird, existiert die Materie nicht mehr.
Durch wen existieren wir also?
Nur durch Ihn. Dieser Körper existiert durch uns (weil unser Bewusstsein in ihm wirkt). Es ist also eine goldene Gelegenheit, und wir müssen diese Zeit aufs Beste nützen.
Meister sagt:
“Was ihr morgen zu tun habt, macht es jetzt sofort.”
Denn das (uns selbst und Gott zu erkennen) ist unsere dringendste Aufgabe, die wir in dieser Welt zu erfüllen haben. Momentan aber sind wir völlig von Nebensächlichkeiten in Beschlag genommen, das ist ein Unglück. Angenommen, jemand muss morgen gehen, was hat er vorzuweisen, das er mitnehmen könnte? Er wird schweren Herzens gehen müssen.
Meister sagte immer:
“Seht jeden Tag, jeden Morgen
als euren letzten in dieser Welt an.”
Denn nichts ist sicher. Aber unser letzter Tag, an dem wir zu gehen haben, steht schon fest, aber wir wissen nicht, wann es ist. So seht jeden Tag als euren letzten in dieser Welt an.

