Die sieben Wege zur Vollendung

Erste Ausgabe in Indien 1962
Deutsche Übersetzung als Rundschreiben 23 — Ruhani Satsang Deutschland, Bonn

Der folgende Text ist eine weitere Anleitung zur “Menschenbildung” — der Entwicklung zu einem wahren Menschen.
Weitere Literatur zum selben Thema: Rundschreiben “Instruktionen für Wahrheitssucher“, “Über das Führen eines Tagebuchs” (On Keeping the Diary) und das Herz-zu-Herz Gespräch “Über das Führen eines Tagebuchs — Fragen und Antworten 1973” (On Keeping the Diary — Q&A 1973).

“Die einzige Pflicht des Menschen ist es,
Gott für seine unzähligen Gaben
und Segnungen stets dankbar zu sein.”

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Meine Lieben,

Ich habe viel dankbare Ermutigung von vielen lieben Menschen erhalten, als das Rundschreiben Nr. 17 (Liebe, Konzentration und Selbsthingabe) im August 1961 veröffentlicht wurde. Es war in mancher Hinsicht sehr hilfreich, und viele Suchende profitierten davon. Eine ähnliche Mitteilung wird nun zu Ihrer Orientierung und Ihrem Verständnis veröffentlicht.

Es ist ein winziges Samenkorn, das die mächtige Eiche in sich birgt, die durch geeignete Pflege und Fürsorge zum vollen Erblühen kommt. Alle jungen und zarten Pflanzen müssen von Hand gegossen, regelmäßig gejätet und gedüngt werden. Vor dem Vieh, das am Wegrand umherstreift, müssen sie mit einer schützenden Hecke geschützt werden, damit sie keinen Schaden erleiden. Zu gegebener Zeit ist der Baum dann ausgewachsen. Er spendet den Wanderern Schatten und Schutz und wird zur Hilfsquelle und Inspiration für andere.

Genau auf dieselbe Weise gedeiht die heilige Saat der Initiation am besten in einem reichen und fruchtbaren Boden, der hohe ethische Werte und liebevolles Mitgefühl in sich birgt. Eine göttliche Berührung der Seele im Menschen durch den lebenden Meister ist ein glücklicher Anfang für die lange spirituelle Reise, die vor uns liegt.

Die Sucher werden deshalb beständig an die Selbstprüfung erinnert, die beim Aufkeimen der Gottheit zu voller Blüte und Entfaltung der Fruchtbarkeit hilft. Die fünf Haupttugenden (sieben Grundvoraussetzungen), die in dem vorgeschriebenen Tagebuch zur Selbstprüfung [self-introspective diary] aufgezählt werden, erfassen weitgehend das ganze Gebiet der Ethik und sind eine große Hilfe, um die göttliche Barmherzigkeit herabzurufen. Sie werden nachfolgend im Einzelnen kurz erörtert.

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Die Wahrheit ist am höchsten,
aber noch höher ist die wahre Lebensweise.

Wahrheit und ein wahrhaftiges Leben
schließen sich nicht aus, sondern gehören zusammen;
sie ergänzen einander, und ihre Verbindung
formt ein gottgleiches Leben.

Wer ein wahrhaftiges Leben führt,
verdient seinen Lebensunterhalt stets im Schweiße
seines Angesichts und ernährt sich und seine Familie
mit rechtmäßig erworbenen Lebensmitteln,
bestehend aus Obst, Gemüse, Nüssen, Getreide
und erlaubten Milchprodukten.
Darüber hinaus ist er im Umgang
mit anderen ehrlich und aufrichtig.”

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Grundlegende Tugenden

1. Ahimsa (Gewaltlosigkeit)

Nicht zu verletzen ist eine veredelnde Tugend, die uns unseren Mitmenschen ebenbürtig macht und letzten Endes zu dem Grundsatz der Bruderschaft der Menschen und der Vaterschaft Gottes führt. Die Pflege dieser Tugend erfordert eine allseitige Entfaltung der Toleranz gegenüber allen, ungeachtet ihrer Unzulänglichkeiten und Fehler. Das erhabene Prinzip der Familie der Menschen auf dem göttlichen Grund liebevoller und mitfühlender Regungen für das Wohlbefinden aller auszustrahlen, kostet sehr wenig, zählt aber sehr viel. Ein Herz voll göttlichen Mitleids ist die Wohnstatt aller Tugenden.

Eine genaue Prüfung dieses Punktes würde zeigen, dass wir gewöhnlich nie beunruhigt oder aufgebracht sind, wenn alles nach unseren Wünschen geht. Kaum sind wir jedoch der Meinung, dass unsere Interessen durchkreuzt oder unsere Gefühle verletzt werden, beginnt eine Kette übler und bösartiger Reaktionen, die zu Gewalt in Gedanken, Worten und Taten führt, entsprechend der physischen, mentalen oder moralischen Beschaffenheit jedes Einzelnen. Viele von uns betrachten es als ihre rechtmäßige Pflicht, die wirkliche oder vermeintliche Beleidigung mit der gleichen Münze zurückzuzahlen, und nur sehr wenige sehen es als eine Tugend an, mit gutem Beispiel voranzugehen und zu vergeben und zu vergessen.

Jesus hat immer die beiden grundlegenden Tugenden gepredigt:

(1) “Liebe deinen Nächsten wie dich selbst” und
(2) “Liebet eure Feinde.”

Heißt das, dass man seine Feinde aus einer Ängstlichkeit und Schwachheit heraus lieben und mit ihnen Nachsicht üben sollte? Nein — es ist etwas Moralisches und Göttliches, das dieser Haltung zugrunde liegt.

Die Stelle, an der das Feuer brennt, wird immer zuerst heiß und strahlt dann ihre Hitze an die Umgebung und die Atmosphäre herum ab. Ebenso ist es auch mit dem Feuer des Zornes. Ein eingebildetes oder vermeintliches Unrecht bohrt sich wie ein Stachel ins Gemüt. Wenn dieser dann bei jemandem tief eindringt, bricht das Feuer des Hasses und der Verachtung hervor. Man beginnt nach allen Seiten zu schimpfen, kommt aus dem Gleichgewicht und gibt, wie ein Brandherd, einen schlechten Geruch von sich, der die ganze Atmosphäre rundum verpestet. Die meisten Beleidigungen und Kränkungen oder das Unrecht, das uns begegnet, sind eine Folge unserer eigenen Denkweise. Denn solche Gedanken brüten zahllose gleichgeartete andere aus und vervielfachen sich im geometrischen Verhältnis (d.h. explosiv).

Wir kommen nur dann aus diesem vergifteten Umkreis heraus, wenn wir unsere Einstellung dem Leben gegenüber ändern. Weshalb sollen wir unseren natürlichen Gleichmut bloßen Nichtigkeiten, vorübergehenden Gemütsaufwallungen und leeren Einbildungen opfern, die ohne jede Bedeutung sind?

Statt über dieses vermeintliche und eingebildete Unrecht lange nachzudenken, würde es weitaus besser sein, über die höheren Aspekte des Lebens und über die Gottheit im Inneren und Äußeren zu sinnen, denn diese Welt ist wahrhaftig der Gottheit, und die Gottheit wohnt in ihr.

Wenn wir wirklich nach Gott verlangen und danach streben, Ihn zu erreichen, dann müssen wir lernen, Seine Schöpfung zu lieben, denn Gott ist nichts als Liebe.

Der heilige Johannes hat nachdrücklich erklärt:

“Wer nicht liebhat, der kennt Gott nicht; denn Gott ist Liebe.” (4)
— 1 Johannes 4:8

Kabir sagte:

“Die Seele im Menschen ist wesensgleich mit Gott.”

Da dies so ist, müssen wir uns bemühen, in unserem natürlichen Element der Liebe zu leben. Alles ist und gehört zur Liebe, denn die Liebe verschönt alles, sei es innen oder außen. Wir leben durch die Liebe Gottes, die nichts weniger als ein Lebensprinzip ist.

Liebe, Licht und Leben sind sinnverwandte Begriffe.
Die ganze Schöpfung ist eine Offenbarung Seiner Liebe,
und Gott wohnt wahrhaftig in ihr.

Wiederum heißt es, dass die ganze Schöpfung aus dem Licht hervorgegangen ist, und aus diesem Grunde braucht keiner “gut” oder “schlecht” genannt zu werden. Im Grunde genommen liegen unser aller Wurzeln tief im Licht und der Liebe Gottes eingebettet. Wir sind uns dessen nicht bewusst, weil wir nur selten eine Gelegenheit finden, nach innen zu schauen. Wir werden die ganze Zeit über völlig von unserer äußeren Umgebung in Anspruch genommen und haben nicht die geringste Vorstellung von dem, was im Wesenskern allen Seins liegt, dem Ursprung allen Lebens, welcher die Liebe und das Licht Gottes ist.

Wenn wir dies nur wüssten und in unserem täglichen Leben praktizierten, könnten wir nicht anders, als in Seiner Liebe zu leben, die uns das Leben gibt und durch die alles Leben besteht. Ahimsa (Gewaltlosigkeit) ist somit der praktische Aspekt des göttlichen Lebens und eine Frucht, die auf dem Baum des Lebens wächst.

2. Wahrhaftigkeit

Gott ist Wahrheit, und Wahrheit ist Gott.

Ein wahrhaftiger Mensch wirkt immer im Licht Gottes. Er hat auf dieser Welt nichts zu fürchten. Immer in göttliches Licht gehüllt, wirkt und gibt er sich in göttlicher Einfachheit, da Gott allein sein Notanker und seine Zuflucht ist.

Lügt nicht! Denn, wenn ihr es tut, täuscht ihr zuerst euch selbst und dann die anderen. Darüber hinaus müsst ihr noch weiter lügen, um die eine Lüge zu decken. Darum sollte man nach dem Motto leben:

“Sei wahr zu dir selbst — mach dir nichts vor!”

Wenn einer zu sich selbst aufrichtig ist, braucht er niemand zu fürchten, “denn er ist wahr zu Gott, der in ihm wohnt und in allen Herzen weilt.” Er wird deshalb die Wahrheit sagen, wahr denken und wahr handeln, denn er ist sich der göttlichen Hilfe bei jedem Schritt bewusst. Widerwärtigkeiten können ihn nicht schrecken, Unglück kann ihm nichts anhaben und Gegnerschaft kann ihn nicht behindern, da die gnädige Gotteskraft, sein Schutz und Schirm, immer mit ihm ist und ihm überall zu Hilfe kommt. Ein solches Herz wird zur Wohnstatt aller anderen Tugenden, die dann von selbst kommen und harmonisch zusammenwirken.

Wahrhaftig sein bedeutet nicht nur die Wahrheit zu sprechen und die Wahrheit zu denken, sondern auch ein rechtschaffenes Leben zu führen.

“Die Wahrheit ist am Höchsten,
aber eine wahre Lebensweise ist noch Höher.”

Unser Tun sollte beispielhaft sein und zeigen, dass wir einer edlen Geistesschule angehören, die auf Wahrheit, Frömmigkeit und Liebe begründet ist. Ein Baum wird an seinen Früchten erkannt. Der göttliche Baum der Spiritualität muss mit den Wassern von Ahimsa und Wahrhaftigkeit versehen werden.

“Die Wahrheit”, sagt Kabir, “ist die höchste aller Tugenden, während Falschheit das gemeinste Laster ist.”

Die Wahrheit aller Wahrheiten (Gott) liegt in den innersten Tiefen der menschlichen Seele. Sie muss ausgegraben werden und in all unserem Tun Anwendung finden. Das wahre Tonprinzip (Sat Naam) ist der Ursprung allen Lebens. Nur, wenn wir uns mit ihm auf dem göttlichen Grund verbinden, werden wir wirklich wahrhaftig und unser Leben kann der Wahrheit entsprechend geformt werden. Wenn man die Wahrheit praktiziert und in der Wahrheit lebt, wird man von der Liebe Gottes eingehüllt und kann allem und jedem großzügig Liebe geben.

Kabir verkündete in allen vier Zeitaltern, in denen er verkörpert war, vom wahren Tonprinzip. Durch die tägliche Verbindung mit diesem Prinzip wird unser Leben rein und wir werden dadurch zu einem geeigneten Gefäß für die göttliche Gnade.

3. Keuschheit

Keuschheit ist Leben, und Sich-gehen-Lassen ist der Tod.

Enthaltsamkeit ist eine Tugend, die auf allen Gebieten des Lebens, seien sie weltlich oder spirituell, beachtet werden muss, wenn man Erfolg haben will. Ein reines, keusches Leben ist ein fruchtbarer Boden, in dem die heilige Saat der Spiritualität am besten gedeiht. Es besteht aus Beherrschung der Gedanken, Worte und Taten, da das Gift in jedem Falle in die Tiefen des Gemüts dringt und sich mit den in zahllosen Lebensläufen angesammelten Unreinheiten vervielfacht.

Keuschheit zu pflegen ist eine mühsame Arbeit, die einen lebenslangen Kampf erfordert. Es ist wirklich etwas sehr Anstrengendes. Begünstigt sind, die sexuell enthaltsam leben, denn sie sind in einer weit besseren Lage, dem Pfad gottwärts zu folgen, als solche, die sich in dem erbärmlichen und elenden Sumpf der Schwachheit gegen sich selbst herumwälzen. Ein normales maßvolles Eheleben, wie es in den heiligen Schriften vorgeschrieben wird, ist jedoch kein Hindernis für die Spiritualität.

Wenn man die Gegebenheiten des Lebens untersucht, zeigt sich, dass normalerweise viel von unserer Umwelt und unserer Lebensweise abhängt. Die Nahrung spielt eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung unserer Denkweise. Die Nahrung, die wir in unser System aufnehmen, färbt unsere Lebensimpulse in der ihr eigenen Farbe. Die Knochen und das Blut nehmen die Farbe der Nahrung an, die wir zu uns nehmen.

Verdorbene oder tote Nahrung trägt kein Leben in sich. Darum bestehen die Meister des spirituellen Pfades immer auf völliger Enthaltsamkeit von allem Fleisch, Fisch, Geflügel und Eiern (befruchtet oder unbefruchtet), allen alkoholischen Getränken oder Rauschmitteln und sonstigen Opiaten und Aufputschmittel, denn das eine schwächt die Denkfähigkeit, während das andere tierische Leidenschaften im Inneren aufkommen lässt und uns gegenüber den höheren Lebensimpulsen empfindungslos macht.

“Wie du denkst, so wirst du,”

. . . ist eine uralte Redeweise, und man kann hinzufügen:

“Wie die Nahrung, so das Gemüt.”

Eine natürliche Nahrung, die aus Gemüsen, Früchten, Nüssen, Milch, Butter, Brot und Käse usw. besteht und maßvoll zu sich genommen wird, ist der Gesundheit sehr zuträglich und gibt uns die notwendige Kraft, um den Verpflichtungen des Lebens nachzukommen, seien sie irdischer oder spiritueller Art. Ein bekannter Arzt sagt: “Wir graben unsere Gräber in der Küche und noch mehr mit unseren Zähnen.” Darüber hinaus ist mit diesem Problem das weitreichende, unerbittliche Gesetz des Karmas, das Gesetz von Ursache und Wirkung oder von Aktion und Reaktion, eng verknüpft.

“Was man sät, das wird man ernten,”

. . . ist eine wohlbekannte Redewendung, die keines weiteren Kommentars bedarf. Wer Unkraut sät, kann keine Rosen erwarten.

Für alles, was in der Welt und von der Welt ist, muss bezahlt werden. Auch unsere sogenannten Freuden und Vergnügen fordern ihren Preis. Man kann kein Leben nehmen, ohne dafür bestraft zu werden. “Der Sünde Sold ist der Tod”, sagte Christus, und ihr mögt selbst entscheiden, ob ihr bereit seid, dafür zu zahlen.

Durch die Beachtung von Brahmacharya (Enthaltsamkeit) bewahren wir nicht nur die wichtige Lebenskraft, die ein unschätzbares Gut im menschlichen Körper ist und keinesfalls unterschätzt werden darf, sondern sie hilft auch bedeutend, uns auf die Gottheit abzustimmen, die bereits in die Urform unseres Lebens eingewirkt, aber in dem gewaltigen Wirbel der Welt verlorengegangen ist. Wir können die verlorengegangenen Enden der Lebensschnur — das heilige Licht und den hörbaren Lebensstrom — wie sie durch den Meister offenbart werden, nicht beliebig lange festhalten, wenn wir nicht fest in ein Leben der Keuschheit eingebettet sind.

Ein leeres Gemüt ist des Teufels Werkstatt, und deswegen wird die beständige Wiederholung der geladenen Worte und die Erinnerung an den Meister (an die Gotteskraft) betont. Beides sind mächtige Hilfen, um den Geist in dem tosenden Meer des Lebens zu festigen und ihn unbewegt zu halten. Es muss klar verstanden werden, dass kein noch so großes intellektuelles Wissen und spitzfindiges Denken euch in der Stunde qualvoller Agonie helfen können, sondern allein der gnädige Schutz des Meisters.

Reife Früchte behalten weiterhin ihre Frische, solange sie an den Ästen hängen. Wenn sie aber erst einmal gepflückt sind, können sie nur in Honig oder in Kühlräumen bei sehr tiefen Temperaturen aufbewahrt werden. Die persönliche Aura des gütigen Meisters gleicht dem frisch-erhaltenden Honig und sein liebevoller Schutz der unschätzbaren Kühllagerung, wo man auf die Befreiung von dieser uralten Krankheit (Agonie des Todes) hoffen kann.

Diejenigen, deren Leben der heiligen Sache Gottes geweiht war, haben Berichte ihrer wertvollen Erfahrungen hinterlassen. Sie zeigen im Übermaß, dass es für alle Hoffnung gibt, vorausgesetzt, es ist dem Schüler oder der Schülerin ernst in seinem oder ihrem Streben und er oder sie hat vor allem die richtige Führung und Hilfe eines wahren kompetenten Meisters.

“Wie jeder Heilige eine Vergangenheit besitzt,
so hat jeder Sünder eine Zukunft,”

. . . aber ohne die Gnade der Meisterkraft oben kann nichts erreicht werden. Das Schülerkind muss fest an sich arbeiten, sich mit Dingen beschäftigen, die ihm nützlich sind oder zumindest die heiligen geladenen Namen im Geiste wiederholen, unpassende und schlechte Gesellschaft, wie auch jeden Umgang meiden, der nicht geistesverwandt ist. Es sollte sich nicht mit obszöner Literatur und Kunst befassen und es vermeiden in die Augen anderer, besonders in die des anderen Geschlechts, zu schauen. Außerdem muss er sich strikt nach einer vegetarischen Kost ernähren, die schonend gekocht und maßvoll eingenommen werden sollte.

Dies sind einige hilfreiche Faktoren, die, wenn man sie genau und entschlossen befolgt, mit der Gnade der Meisterkraft über uns zu gegebener Zeit sichere Ergebnisse zeitigen werden.

Es mag vielleicht angebracht sein, hier ein paar Worte über Brahmacharya zu sagen. Im buchstäblichen Sinne bedeutet es “der Pfad”, der praktische Pfad des Verhaltens, der zu Brahman oder Gott führt. Er besteht darin, alle Sinne zu beherrschen und sie in die rechte Richtung zu lenken. Mit anderen Worten: er verhilft zu einem Leben der Enthaltsamkeit, Mäßigung und Selbstbeherrschung, und er schließt vollständige Abstinenz von jeder dem Fortschritt unzuträglichen Nahrung und von schädlichen Getränken ein. Ein Leben wie dieses ist ein sine qua non oder eine unerlässliche Notwendigkeit für den Pfad zu Gott oder zu Brahman. Den Aspiranten wird daher sehr geraten, ein solches Leben gewissenhaft zu befolgen.

4. Liebevolle Demut

Demut und Bescheidenheit sind eine Zierde der Heiligen. Diese erhebt sie in den Augen von Mensch und Gott. Ein echter Meister-Heiliger sieht Gottes Licht in jedem lebenden Geschöpf. Es ist daher kein Wunder, dass er dem Schüler-Kind auf gleicher Ebene begegnet und es wie sein Eigen behandelt.

Genau wie sich ein Frucht-beladener Ast durch das Gewicht seiner Früchte stets nach unten neigt, so ist es auch beim Meister durch das Gewicht der göttlichen Schätze, die er in sich trägt. Er begegnet allen, die zu ihm kommen, um an seinem Reichtum teilzuhaben und den Pfad zu betreten, der zur ewigen Heimat des Vaters führt, voller Liebe, ungeachtet aller sozialen und religiösen Erwägungen.

“Dienen vor Selbst“ ist eine seltene Gabe. Wenn dasselbe “Selbst” in jedem Lebewesen wirksam ist, sollte man eigentlich Freude im Dienst an der eigenen Sache haben. “Selbst” und “Dienst” sind nur zwei Aspekte der Gottheit. Dieses Verstehen der gemeinsamen Natur des Universums, ungeachtet seiner scheinbar vielfarbigen Formen und Muster, bringt eine gleichmütige Einstellung mit sich, die nach und nach zu Gelassenheit und Erhabenheit führt. Man arbeitet im Dienst aller und sieht dasselbe belebende Prinzip in der ganzen Schöpfung wirken.

So wie das kleinste Rädchen in einem großen Mechanismus unentbehrlich ist und einer nützlichen Sache dient, ist auf ähnliche Weise alles schön, voll der göttlichen Offenbarung und dient einem bestimmten Zweck nach Seinem Willen. Eine solche Vorstellung kräftigt die seidenen Bande liebender Bruderschaft und gewinnt das Wohlgefallen des Herrn und Meisters.

“Liebevolle Worte, von Demut erfüllt;
O Nanak, das ist der Kern aller Tugend.”

Der heilige Augustinus legte großes Gewicht auf die Tugend der Demut. “Demut als erstes, Demut als letztes und Demut immerzu,” war das Hauptthema, über das er zu seinen Zuhörern sprach, wenn er sich erhob, um seine Versammlungsrede an die Studenten zu halten. Darüber hinaus, sagte er, habe er ihnen nichts zu verkünden.

Ähnlich erklärte Kabir einmal, dass er in tiefer Demut lebe wie ein Fisch im Wasser, denn diese erhebe den Menschen zu der Höhe von Devas oder Göttern. Sie ist die einzige Tugend, die einem Menschen den Zutritt zum Hof der Heiligen gewährt. Wenn der Geliebte kommen soll, muss man sein Ich aus dem Innern herausnehmen und dann immerfort in Ihm leben.

Einmal, sagte Kabir, sei er auf der Suche nach einem schlechten Menschen gewesen, habe aber auf der ganzen weiten Welt keinen finden können. Als er zuletzt in sich selbst hineinschaute, erkannte er, dass er selbst der schlechteste von allen war. Dies ist der Gipfel der Demut.

Kabir sagte auch:

“Ich bin der Geringste, wenn ich mich mit anderen vergleiche.
Alle sind besser als ich, und jene,
die es auch so sehen, sind meine Freunde.”

Nanak hat von sich immer als dem “geringen Nanak”, dem “armen Nanak” und von “Nanak, dem Sklaven oder Leibeigenen” gesprochen.

Guru Amar Das betete immer zu Gott, dass er ihn zum “Sklaven seiner Sklaven” machen möge. Mein Meister sagte einmal, er möchte, dass man aus seiner Haut Schuhe für die Füße der Ergebenen machen möge.

Falscher Stolz auf Reichtum oder weltlichen Besitz, auf Überlegenheit durch spirituelles Wissen oder intellektuelle Kenntnisse, die man zu haben glaubt, Stolz auf irdischer Güter oder auf eine hohe Stellung und auf Ansehen, die sich im Laufe der Zeit in Luft auflösen, können das Gemüt des spirituellen Aspiranten vom rechten Weg abbringen. Auf der anderen Seite ist ein Herz voll ehrerbietiger Bescheidenheit das geeignete Gefäß für Seine Gnade, das, wenn es vollgefüllt ist, von selbst auf andere überfließt.

Für einen demütigen Menschen ist im weiteren Interesse seiner spirituellen Entwicklung kein Opfer zu groß, wohingegen der Stolze ewig eine Chance abwartet und sie selbst dann verpasst, wenn sie sich ihm bietet. Die Zeit und das Glück warten auf niemanden. Die menschliche Geburt ist ein kostbares Gut, das uns durch die Vorsehung beim Aufstieg auf der aufsteigenden Evolutionsskala gewährt worden ist. Ihr höchstes Ziel ist die spirituelle Vollkommenheit, für die wir alle hier sind.

Begünstigt sind jene, die erkannt, ausgewählt und in die Mysterien des Jenseits initiiert und mit den göttlichen Attributen des heiligen Lichts und des himmlischen Tonstromes verbunden wurden. Es liegt nunmehr an uns, “die Gunst der Stunde zu nutzen, solange die Sonne scheint.”

Wenn wir nur einen Schritt vorwärtsgehen,
wird Er uns Millionen Schritte entgegenkommen,
um uns zu empfangen und willkommen zu heißen.

Der bloße Gedanke daran, spirituelle Vollkommenheit zu erlangen, ist schon eine glückliche Verheißung und die Einleitung zum größten Wagnis im Leben eines Menschen. Es geschieht nur durch die göttliche Barmherzigkeit, die, wenn sie einmal berührt wird, solche erhabenen Gedanken in uns bewirkt. Das große Mysterium des Lebens kann nicht durch intellektuelle Erkenntnis oder spitzfindige Überlegungen gelöst werden, denn diese führen lediglich zu Wissen, aber nicht zu Weisheit und haben wiederum Stolz auf das Gelernte und den Wunsch nach Führerschaft zur Folge, der es noch viel schwieriger macht, ins Reich Gottes zu gelangen.

Die Krone allen Verstehens ist, dass wir unsere gegenwärtige Lage der Selbstzufriedenheit und des großen Elends erkennen, in dem wir wider Willen gefangen sind und uns zu hilflos fühlen, um ihm zu entkommen. Eine nähere Betrachtung der Dinge wird uns zeigen, dass die Seele von dicken Schleiern der Unwissenheit umgeben ist und in dem endlosen Kreislauf des gewaltigen Schöpfungsrades auf und ab getrieben wird.

5. Diät

Wie bereits unter “Keuschheit” erörtert, spielt die Nahrung eine wichtige und wesentliche Rolle im Leben eines spirituellen Aspiranten und sollte daher gebührende Beachtung finden. Alle nicht erlaubten Speisen und Getränke müssen, selbst angesichts medizinischer Ratschläge, gewissenhaft vermieden werden, da sie die uns zuerkannte Lebensspanne nicht verlängern können, und auch der Ernährung nicht wirklich dienlich sind.

Es ist eine ganz falsche Vorstellung, dass Fleisch oder Eier besondere Kraft und Stärke geben. Im Gegenteil, sie regen das sinnliche Verlangen sehr an, was auf die Dauer zu einer großen Zerstreuung der Lebensenergie führt.

Es ist erfreulich festzustellen, dass die Menschen auf der ganzen Welt allmählich die Vorteile der vegetarischen Kost erkennen und die Wegbereiter dieser Denkweise die Verpflichtung auf sich genommen haben, ihre Bedeutung allerorts kundzutun. Bisher fanden nicht weniger als vierzehn internationale Konferenzen dieser Art in mehreren Ländern statt. Auch in Indien trafen sich im Jahr 1957 Vertreter der vegetarischen Ernährungsweise aus der ganzen Welt, um in der altehrwürdigen und historischen Hauptstadt Delhi ihre Ansichten darzulegen.

Heute wird auch in der breiten Öffentlichkeit Nachdruck auf den sogenannten “Vegetabilismus” (Vegane Diät) im Gegensatz zum “Vegetarismus” (wo auch Milch und Milchprodukte erlaubt sind) gelegt. Wenn wir zum Beispiel Ziegen oder Pferde beobachten, können wir feststellen, wie gesund und stark sie sind. Dies führte sogar dazu, dass in der Physik und Mechanik eine Leistungseinheit mit dem Begriff der “Pferdestärke” berechnet wird.

Paulus hat in seinem Brief an die Korinther gesagt:

“Die (Fleisch-)Speise dem Bauche und der Bauch der (Fleisch-)
Speise; aber Gott wird diesen und jene zunichtemachen.”
— 1 Korinther 6:13

“Es ist besser, du essest kein Fleisch und
trinkest keinen Wein und tuest nichts,
daran sich dein Bruder stoßet oder strauchelt.”
— Römer 14:21

Und Gott sagte: “Sehet da, ich habe euch gegeben
allerlei Kraut, das sich besamet auf der ganzen Erde
und allerlei fruchtbare Bäume, die sich besamen,
zu eurer Speise.”
— 1. Buch Mose 1:29

Das Evangelium der heiligen Zwölf:

“Darum sollt ihr kein Fleisch essen, noch starke Getränke
zu euch nehmen; denn das Kind soll Gott geweiht sein
vom Mutterleibe an; und weder Fleisch noch starke Getränke
sollen genommen werden; noch soll das Rasiermesser sein Haupt berühren.”

Nun gingen seine Eltern, Maria und Joseph, in jedem Jahr
zum Passahfest nach Jerusalem und begingen das Fest
nach der Sitte ihrer Brüder, die sich des Blutvergießens und
Fleischessens und der starken Getränke enthielten.

“. . . und esset nicht, was durch Töten gewonnen wurde.
Berührt es nicht, denn es steht euch nicht rechtmäßig zu.”

“. . . der Menschensohn ist nicht gekommen zu zerstören,
sondern zu erretten; auch nicht, um Leben zu nehmen,
sondern um Körper und Seele Leben zu geben.”

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VerdienstE

6. Selbstloser Dienst

Der Mensch ist ein dreifältiges Wesen, das aus Körper, Gemüt und Seele besteht, und es ist seine Pflicht, dass er seinen Mitgeschöpfen auf allen drei Gebieten dient.

“Dienet einander in Liebe”
— Galater 5,13

. . . ermahnt uns Paulus.

Ein persischer Spruch sagt:

“Dienst erhöht den Dienenden.”

Es heißt: “Selbstloses Dienen ist eine große Tugend und ein Lohn in sich selbst.” Es ist das zentrale Thema der heiligen Lehren der Meister. Der lebende Meister ist eine Verkörperung selbstlosen Dienens. Er eilt seinen lieben Kindern auf der ganzen Welt immer zu Hilfe und kümmert sich nur wenig um seine physische Bequemlichkeit. Er offenbart und erfüllt das göttliche Gesetz in seiner eigenen Person. Aus reinem Mitgefühl seinen Brüdern gegenüber dient er allen, um sie von dem “Großen Rad” (der 84 Lakh verschiedenen Lebensformen) zu befreien, indem er ihre Aufmerksamkeit nach innen lenkt und sie mit der rettenden Lebensschnur (Shabd oder Naam) verbindet.

Je mehr jemand dient, umso mehr dehnt sich sein eigenes Selbst aus, bis es im Laufe der Zeit die ganze Schöpfung umfasst.

Darum müssen wir die Aufgabe auf uns nehmen, die Botschaft des Meisters in jede Ecke und jeden Winkel der Welt zu tragen, damit die Menschen von der großartigen Gelegenheit, die sich ihnen bietet, erfahren und sie auf beste Weise nutzen.

Wiederum kann selbstloses Dienen verschiedene Formen annehmen, entsprechend den Mitteln und der Fähigkeiten des Einzelnen. Manche lieben es, die Armen, Bedürftigen, die Niedergeschlagenen oder die Kranken und Invaliden zu besuchen, um ihnen in ihrer Not zu helfen und beizustehen.

Wenn ihr Kranke betreut oder den Leidenden zur Seite steht und von Hilfe seid, dient ihr einer göttlichen Sache. Natürlich könnt ihr die Krankheit oder das Leid nicht beheben, aber ganz sicher könnt ihr dabei helfen, die Leiden durch gütige Worte und Taten zu lindern. Jedes gute Wort, das man spricht, oder eine helfende Hand, die man einem Leidenden reicht, hilft eine Menge bei der Läuterung von Körper und Gemüt. Ein liebendes Herz ist ein geeignetes Gefäß, um die göttliche Gnade zu empfangen, denn Gott ist Liebe.

Johannes sagt:

“Wer nicht lieb hat, der kennt Gott nicht; denn Gott ist Liebe.”
— 1 Johannes 4:8

Liebe kennt keine Grenzen und keine Standesunterschiede. Sie fließt allen gleichermaßen und freimütig zu und über
steigt alle Hindernisse.

Wiederum wird ein Reicher, der ein Herz voll Liebe hat, seinen Reichtum mit den Armen und Bedürftigen teilen und sein Geld für
mildtätige und karitative Zwecke spenden.

Das System des “Zehnten” gab es praktisch in allen etablierte Religionen der Welt, und es ist von tiefer Bedeutung, denn die Abgabe des Zehnten zeigt, wie rechtschaffen und ehrlich ein Mensch ist, und sein Opfer beweist seine Freigebigkeit. Aus den alten Überlieferungen ist zu ersehen, dass alle Länder des Ostens, von Ägypten bis Afghanistan und die ganze christliche Welt, dieses System beachteten und ein Zehntel ihrer Einnahmen zum Wohle aller Menschen gaben.

Bei den Moslems gibt es die Einrichtung des “Zakat”, die von jedem jährlich den vierzigsten Teil seines Besitzes für wohltätige Zwecke verlangt. Bei den Sikhs und den Hindus kennt man dieses System unter dem Namen “Daswand”, was gleichbedeutend mit dem Zehnten ist. Der Meister hat es jedoch noch weiter (vom finanziellen Einkommen getrennt) ausgedehnt, eine gewisse Zeit ebenso der Meditation zu widmen — das sind etwa 2 ½ Stunden von den 24 Stunden des Tages.

Die Meister ermahnen uns außerdem:

“Stimmt euch auf Gott ein und teilt
euer Einkommen mit allen, die in Not sind.”

Kabir sagt:

“Wenn man Geld spendet, wird es nicht weniger.
Solltet ihr nicht überzeugt sein, so versucht es selbst.”

Aber die Spenden sollten offenherzig und freiwillig gegeben werden. Sie sollten frei von jeglichen Gedanken an eine Belohnung sein und nicht von außen aufgezwungen werden, denn sonst werden sie zu einer Quelle der Bindung, anstatt zu einer der Befreiung. Wiederum sollte die Wohltätigkeit nicht an die falsche Stelle gegeben werden, sondern sie sollte wirklich die Leiden der Bedrängten in dieser Welt lindern. Der allwissende Meister ist da in der Tat der beste Sachverständige, denn er weiß, wie die Spenden seiner Schüler am besten zu verwenden sind und führt sie einem wirklich nützlichen Zweck zu.

Man muss hier besonders unterscheidungsfähig und wachsam sein, damit man nicht durch Missbrauch des schwerverdienten Geldes zusätzliche karmische Schulden anhäuft, statt die bestehenden zu tilgen. Denn jede Tat, wie gut sie auch immer sein mag, löst eine Rückwirkung aus und führt zu einer Bindung.

Das kann eine Gebundenheit in “goldenen Fesseln” sein, wie es Lord Krishna dem Krieger-Prinzen Arjuna erklärte, als er sagte, dass alle Taten, ob gut oder schlecht, die gleiche bindende Wirkung haben und die so geschmiedeten Ketten aus Gold oder aus Eisen sein können.

Der heilige Ignatius von Loyola sagt uns: “Die Saaten der Heiligkeit und der Sünde liegen bereits in uns.” Es hängt alles davon ab, welche von ihnen wir im Garten unserer Seele kultivieren.

7. Spirituelle Übungen

Die spirituellen Übungen bilden einen wesentlichen Teil im Leben des spirituellen Aspiranten und sollten daher ein tägliches
“Muss” sein. Die Wiederholung der fünf heiligen geladenen Namen (Simran), sei es mündlich oder geistig, die bei der heiligen Initiation übermittelt werden, ist keine schwierige Aufgabe, jedoch von tiefer Bedeutung.

Obgleich es zu Beginn sehr leicht und einfach erscheint, bedarf es zum Vorwärtskommen besonderer Liebe und Seelenstärke. Ihr werdet verstehen, dass die heiligen Namen den Lebensimpuls des Meisters in sich tragen, der beim Zurückziehen der Sinnesströme vom Körper hinauf zum Augenbrennpunkt Wunder wirkt und auf diese Weise die Seele für ihre schlussendliche innere Reise in die Regionen der Glückseligkeit und der Harmonie vorbereiten.

Es sollten darum bestimmte Zeiten für die Meditation festgelegt werden, die man regelmäßig und voller Ernsthaftigkeit einhält. Sie geben der Seele Nahrung, und man wird zum göttlichen Licht im Innern geführt, welches das Dunkel der Unwissenheit zerstreut. Es gleicht der täglichen Reinigung des empfangsbereiten Gefäßes zum Empfang der göttlichen Gnade.

Die täglichen Meditationen entfernen den groben Unrat, den man sich auf der Sinnesebene auflädt. Der zweite wichtige Teil der Meditation ist das Hören auf den heiligen Tonstrom, den hörbaren Lebensstrom, der von der rechten Seite kommt. Dieser Aspekt der spirituellen Übungen ist von gleicher Wichtigkeit und sollte keinesfalls übersehen oder übergangen werden.

Nach der Initiation ist es die Pflicht des Schülers, seine Erfahrungen von Tag zu Tag weiter zu entwickeln. Mit der Gnade des Meisters kann er sie ohne Zweifel in jedem beliebigen Umfang erweitern und sich neue Perspektiven erhabener Glorie und Glückseligkeit eröffnen.

Kurzum, die Selbstprüfung hilft, die Zweige zu beschneiden und alles, was nicht wünschenswert ist, auszulichten, während die Meditation (die spirituellen Übungen) direkt den Stamm des weltlichen Lebens trifft.

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Bevor ich diesen Brief abschließe, möchte ich noch kurz auf die immense Menge an Korrespondenz eingehen, die der Meister täglich zu bewältigen hat. Wie Sie sicher verstehen, nimmt diese Arbeit mit der Zeit unaufhörlich zu. Daher bitten wir Sie alle, diesbezüglich besonders vorsichtig zu sein. Das bedeutet jedoch nicht, dass Sie dem Meister keine Briefe schreiben sollen. Im Gegenteil, Sie sind herzlich dazu eingeladen, insbesondere in allen wichtigen Angelegenheiten, wenn Sie das Gefühl haben, dass die lokalen Vertreter keine zufriedenstellende Lösung für Ihre Probleme anbieten können oder wenn Sie Anweisungen zu inneren mystischen Erfahrungen wünschen, zu denen nur der Meister selbst Rat geben kann.

In allen alltäglichen Angelegenheiten und Fragen zur Lebensführung ist es jedoch möglicherweise einfacher und schneller, Angelegenheiten von lokalem Interesse direkt mit den Repräsentanten des Meisters zu besprechen. Auch diese sind angewiesen, sich in allen Angelegenheiten, in denen sie sich unsicher fühlen, an ihn zu wenden.

In herzlicher Liebe und Zuneigung.

Kirpal Singh

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