Die wahre Lebensweise steht noch höher als die Wahrheit

Auszug aus der Rede von Mrs. Biji Surinder Kaur, am 10. Dezember 2012 in Kirpal Sagar
(Gedruckt in Worte von Sant Kirpal Singh, Ausgabe 2013)

Geliebter Sangat des Meisters,

Das Thema der heutigen Konferenz ist: “Die wahre Lebensweise steht noch höher als die Wahrheit.” Heute erinnern wir uns an ein auf hoher Ebene gelebtes, wahrhaftiges Leben, das Leben von an Bhaji (Dr. Harbhajan Singhs). Ich habe miterlebt, auf welche Weise er lebte und gesehen, wie man ein wahrhaftiges Leben lebt.

Warum feiern wir den Geburtstag solcher Persönlichkeiten?

Ich beziehe mich auf das, was unser Muslim Bruder sagte, er hat mir aus dem Herzen gesprochen. Er sagte, “Bhaji hat oft Licht in mein Leben gebracht.”

Bhaji sagte immer:

“Hier in Kirpal Sagar wurde ein gemeinsames Forum für alle errichtet.”

Er sprach nicht nur darüber, sondern zeigte es durch sein praktisches Leben. Beim Sarovar kann man sehen, dass es die vier Eckgebäude gibt mit Gurdawara, Kirche, Moschee und Tempel. Wenn wir aber (beim Eingang) geradeaus gehen, gibt es ein gemeinsames, zentrales Gebäude, das uns zeigt, dass der Weg für alle gleich ist. Der Weg, wie der Mensch (in die Welt kommt) und wie er zurückgeht, ist der gleiche für alle, unabhängig davon, ob jemand Hindu, Sikh, Moslem oder Christ ist.

Kabirs Tochter wollte einmal Wasser vom Brunnen holen, und dort beschimpften sie Angehörige einer höheren Kaste und erlaubten ihr nicht, Wasser zu holen, weil sie von niedriger Kaste sei. Wie antwortete sie denen, die sie wegen ihrer niedrigen Kaste beschimpften? Sie sagte: “Wenn ihr von so hoher Kaste seid, von einer so hohen Gesellschaftsschicht, warum seid ihr dann genauso wie ich durch den Mutterleib auf die Welt gekommen und wurdet nicht auf andere Weise geboren?”

Die Heiligen kommen immer, um die innere Tür zu öffnen. Auch ich hatte die Gelegenheit, das wahrhaftige Leben eines solchen Heiligen mitzuerleben — Bhajis Leben, das Leben von Dr. Sahib.

Mir haben die Qwalis (Gesänge aus der Sufi-Tradition voller Liebe und Sehnsucht) sehr gefallen, denn gestern Abend eröffnete sich mir durch die Qwalis fassendes Wissen. Und ich konnte viel davon profitieren. Bhaji sagte oft: “Ich glaube, dass mein Leben erfolgreich war, wenn Wellen des Nektars vom Sagar (Ozean) kommen — von Kirpal Sagar.”

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Die Heiligen sind personifizierte Liebe

Einmal kam zum Beispiel ein Mann mit einer versteckten Bombe zu Meister. Meister saß im Satsang und sah von innen, dass er kommt. Höflich und zuvorkommend stand Meister auf (und ging ihm entgegen). Er verließ die Versammlung und ging hinaus auf das Gelände draußen, wo Er den Mann auf sich zukommen sah. Als er bei ihm war, umarmte Meister ihn einfach und gab ihm viel Liebe. Als Meister ihn umarmte, fragte Ihn der Mann: “Warum gibst du mir so viel Liebe.” Meister gab zur Antwort: “Weil mein Meister mich gelehrt hat, nur so zu handeln.” — “Nun frag mich”, sagte der Mann, “warum ich gekommen bin. Ich habe einen Auftrag.” Meister sagte: “O.K., den kannst Du auch ausführen, das ist der Grund, warum ich nach draußen gekommen bin.” Der Formlose (Gott) nimmt immer einen menschlichen Körper an und Er kommt für uns.

Was machte Meister dann mit diesem Mann?

Meister lässt nie jemanden fallen. Er hilft immer jedem sich zu entwickeln. Er gab ihm die Aufgabe als Telefonist für sein privates Telefon zu arbeiten, und diese Aufgabe erfüllte er bis an sein Lebensende.

Die Heiligen sind personifizierte Liebe,
sie kommen immer für uns, um uns zu retten,
um unsere Seele zu retten.

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Gedanken sind sehr mächtig

Unser Muslim Bruder erzählte die Geschichte von drei Männer, die Gold gestohlen hatten. Zwei von ihnen baten den Dritten, Essen zu organisieren. Während er unterwegs war, um etwas zu essen zu besorgen, überlegten sie: “Die Beute muss durch drei geteilt werden, warum sollen wir ihn nicht töten, dann müssen wir nur durch zwei teilen.” Als der Mann mit dem Essen zurückkam, töteten sie ihn, danach aßen sie das mitgebrachte Essen. Und auch sie starben, denn der andere hatte auch gedacht: “Wozu teilen?” und hatte das Essen vergiftet.

Warum geschah das?

Der Dritte, der gegangen war, um das Essen zu holen, hatte diese Absicht der anderen Zwei gespürt.

Umgekehrt gilt dasselbe: Wenn wir gute Absichten haben, wenn wir Gutes in uns tragen und ein wahrhaftiges Leben führen, dann wird alles, was wir sagen, eine positive Wirkung auf andere haben.

Meister sagte oft:

“Das, was in uns ist, strahlt aus durch unsere Worte.”

So wie Meister oft das Beispiel gab:

Wenn der Wind bei einem Feuer vorbei weht, wird er heiß,
kommt er an kaltem Wasser vorbei, ist er kühl.

Alles, was in uns ist, strahlt aus. Wenn wir etwas mit einer gewissen Absicht anschauen oder sagen, ist es mit dem geladen, was in uns ist. Entsprechend unserem Denken wird es geschehen und sich auf die anderen auswirken.

Sie hatten schlechte Absichten, als sie ihn zum Essenholen schickten. So erhielt auch er das Gift (ihrer schlechten Gedanken und Absichten) von ihnen und alle drei wurden vernichtet.

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Bhaji hat die Einheit immer praktisch demonstriert

Bhaji zeigte die Einheit immer praktisch. Auch heute sitzen Vertreter verschiedener Religionen auf der Bühne. Das ist unsere Gemeinschaft spiritueller Menschen. Es gibt Kayal, mit dem wir die Augen schminken und der auch bewirkt, dass man klar sieht und das Auge sich öffnet, die Heiligen aber haben einen Strom von Kayal, mit dem sie das innere Auge öffnen.

Ich sehe, dass die Bürgermeister von den Dörfern aus der Umgebung, auch hier anwesend sind, und ich freue mich, dass sie hier sind.

Als Bhaji in diese Gegend kam, sagte er zu ihnen: “Ich bin zu euch in diese Gegend gekommen und ich werde etwas für euch tun. Nützt mich, so viel ihr wollt.” Sein Leben war immer praktisch. Damals kündigte er überall in der Umgebung an, dass es ein Krankenhaus geben wird mit 500 Betten. Wir haben jetzt den ersten Abschnitt mit hundert Betten begonnen. Die Welfare Society aus dem Ausland hat die mobile Klinik gestiftet, die jetzt eingesetzt wird, um in der Umgebung Hilfe zu leisten.

Bhaji wollte dieser Gegend hier dienen und das tun wir jetzt. In unserem Altenheim leben 35 Bewohner und sie leben nicht nur dort, sondern auch in unserem Herzen. Wir fühlen uns verantwortlich für sie, ob sie nun Essen brauchen, Medikamente oder sonst etwas. Wir möchten immer, dass sie es gut haben. Das ist der Seva (selbstlose Dienst), den wir erhalten haben, und er kann nur von denen ausgeführt werden, die ihn bekommen haben.

Es war Bhajis Wunsch und Er sagte oft:

“Wenn es in der Akademie 500 gibt, sind sie alle meine Kinder, und eines Tages, wenn sie hier mit der Schule fertig sind und ins Leben gehen, werden sie einmal hohe Posten in ihrem Land übernehmen. Wenn sie hart und ehrlich arbeiten, wird man fragen: ‘Wo wurdet ihr ausgebildet, von welcher Schule kommt ihr?’ Und dann werden sie sicher sagen, wo sie all das gelernt haben — in Kirpal Sagar.”

Und dann Bhaji sagte,

“Wenn sie sagen ‘in Kirpal Sagar’, dann ist das mein Lohn, dann werde ich glücklich sein.”

Unser Kirpal Sagar hat die Aufgabe, jedem zu helfen, und jedem dabei zu helfen, sich zu entwickeln. Gestern bei den Hochzeiten wurde ein Bräutigam ohnmächtig, und ich und mein Sohn waren sehr besorgt und gingen gleich hin, um zu sehen, was geschehen war. Die beiden Ärzte kamen auch sofort und untersuchten ihn und stellten fest, dass es keine Krankheit, sondern nur ein Schwächeanfall war.

Ich erinnere mich, als Bhaji in Wien an der UN Menschenrechtskonferenz teilnahm, sagte jemand zu ihm: “Das Land, aus dem du kommst, ist sehr arm.”

Bhaji antwortete:

“Mag sein, dass es so ist, aber ich habe Pläne für mein Land: Ich möchte beginnen, Fabriken zu bauen, damit es Arbeitsplätze für die Arbeitslosen gibt und niemand mehr ohne Arbeit ist (und daher ohne Einkommen). Ich möchte Krankhäuser bauen für die Kranken, damit jeder eine gute Gesundheitsversorgung erhält und niemand krank bleiben muss (auf Grund seiner Armut).”

Wenn die Patienten in Bhajis Krankenhaus nach Nag Kalan kamen, erhielten sie eine sehr respektvolle und zuvorkommende Behandlung von ihm, denn er hatte Mitleid mit ihnen. Dann sagten sie (über Bhaji) . . .

“Er ist der Retter der Armen, der Retter der Betrübten und Niedergeschlagenen, er ist der Retter jener die gelitten haben.”

Ich sehe, dass hier in unserem Krankenhaus in Kirpal Sagar im gleichen Geist behandelt wird, es herrscht die gleiche Einstellung. Die Ärzte kamen zu mir und fragten mich, ob ich einen Wunsch hätte, und ich sage ihnen immer:

“Wenn jemand kommt, der leidet, ist der Arzt für ihn wie Gott, bitte behandelt die Patienten sehr zuvorkommend.
Wenn ihr liebevoll, freundlich und mit einem Lächeln mit ihnen sprecht, sind sie schon halb geheilt.”

Ich möchte, dass die Leute sehen, dass sie in diesem Krankenhaus im selben Geist wie (damals in Bhajis Krankenhaus) behandelt werden. Wenn ich das sehe, freue ich mich.

Ich belehre niemanden (sondern) ….

Zuerst lehre ich mich selbst, ich setze das Wissen erst in die Praxis um,
und versuche, mich zu entwickeln, und dann erst ist es für die anderen.

Wir sollten immer versuchen, die anderen zu entwickeln, wir dürfen niemanden herabsetzen und zu Fall bringen.

Ich habe mich gefreut, dass auch Teams von Delhi beim Volleyball Turnier dabei waren. Der Kapitän von einem Team aus Delhi kam zu mir und sagte: “Biji, ich komme seit vielen Jahren hierher und nehme am Turnier teil.” Ich sagte zu ihm: “Ja, das ist dein Zuhause.” Ich habe mich sehr über ihn gefreut. Er sagte: “Nächstes Jahr werde ich wiederkommen.”

Ähnlich war es bei den Qwalis. Der Leiter der Qwali-Gruppe kam von der Bühne zu mir herunter und sagte zu mir: “Ich brauche auch etwas, gib mir etwas. Ich fühle, dass ich zu euch gehöre, und ich möchte gerne jedes Jahr kommen.” Und ich sagte zu ihm: “Ja natürlich, das ist dein Zuhause, du kannst kommen, es steht allen offen.” So sollten wir versuchen, jeden aufzubauen und zu entwickeln, indem wir ihn unterstützen. Wir sollten nicht kritisieren und niemanden nach unten bringen.

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Wie können wir uns über den Körper erheben?

Nicht durch reden, sondern nur, wenn wir so fein werden, dass wir in die feinstoffliche Welt gehen. Denn wir müssen uns auf diese Stufe erheben und in diese Welt gehen, nur dann wird es möglich sein. Wir müssen versuchen, uns selbst zu entwickeln, und versuchen, andere aufzubauen. Wenn wir andere entwickeln, wird uns das helfen, uns selbst zu entwickeln.

Wenn wir andere aufzubauen, dann bauen wir auch uns selbst auf.

Ich habe mich sehr über die Qwalis gefreut, das möchte ich noch einmal sagen. Denn es sind Gesänge aus den Sufi-Schriften, sie enthalten Schätze des Wissens. Ich habe viel daraus gelernt.

In einem Qwali ging es um die Erfahrung eines Schülers (Bulleh Shah), sein Meister war nich mit ihm zufrieden und wollte ihn nicht mehr sehen. Er strengte sich dann sehr an, um seinen Meister zu erfreuen. Und er (Bulleh Shah) sagte:

“Es ist sehr schwer, den Meister glücklich zu machen,
aber es ist einfach, Gott glücklich zu machen.”

Es ist wirklich schwer, den Meister zufriedenzustellen — das stimmt.

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Wie kann der Frieden erreicht werden?

Alle fahren irgendwo hin und nehmen an Friedenskonferenzen teil, aber das ist nicht der Weg, wie Frieden geschaffen werden kann.

In unserem eigenen Haus muss Frieden sein, in unserem Dorf, in unserer Stadt.
Unser Körper ist das Haus, unser Herz ist das Dorf,
und Frieden sollte in der in der Stadt geschaffen werden,
das heist, wenn wir uns über das Körperbewusstsein erheben.

Wenn also Frieden in uns ist, dann können wir Frieden im Äußeren schaffen. Wenn aber kein Friede ihn uns ist, dann können wir auch keinen Frieden im Äußeren hervorbringen.

Frieden wird entstehen, wenn wir den Dschungel, den Urwald durchqueren,
das heißt, wenn wir alle Schwierigkeiten in uns überwinden und uns über den Körper erheben.

Die Zeit ist schnell vergangen. Der 9. Dezember ging vorüber mit den Hochzeiten, der 10. (Bhajis Geburtstag) vergeht auch schnell, alle werden wieder wegfahren und wir bleiben alleine hier. Es war sehr schön, als alle hier waren.

:::: continue ::::

Wir konnten diesmal noch nicht verwirklichen was Meister erreichen wollte als Er sagte: “Wir sind alle eins.”

Wir konnten diese Einheit noch nicht vorzeigen und eine tiefe Botschaft geben, aber beim nächsten Mal, beim nächsten Bhandara (Feierlichkeiten) im Februar werden wir es tun. Entweder werden wir an Konferenzen teilnehmen, zu denen us Vertretern anderer Religionen eingeladen haben, oder wir werden sie einladen hierher zu kommen.

Wir werden diese Botschaft allen in der Praxis zeigen und sie allen übermitteln, denn unsere Bühne ist eine Bühne der Praxis. Wir geben anderen nicht nur schöne Worte: “Es sollte Einheit herrschen, wir brauchen Einheit” sondern wir laden alle ein und zeigen den Leuten, was Einheit bedeutet und dass das, was die verschiedenen Leute (auf der Bühne) sagen, nicht falsch ist. Jede Religion sagt das Gleiche, wir müssen es nur leben (praktisch verwirklichen). Eine solche Einheit sollten wir haben.

“O Gott, segne uns alle mit der wahren Lebensweise,
denn die wahre Lebensweise steht noch über der Wahrheit.”

Darum bete ich.

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